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Klimaschutz durch Homeoffice?

  • Benno Müller
  • 26. Okt. 2023
  • 5 Min. Lesezeit

Homeoffice war vor allem zur Corona-Zeit weit verbreitet. Doch auch als die Kontaktbeschränkungen aufgehoben wurden, nutzten viele das Homeoffice als bevorzugte Arbeitsvariante weiter. Als Gründe wurden Eigenständigkeit, Flexibilität und mehr Zeit für die Familie genannt. Die Idee des Homeoffice existiert aber schon länger. Erstmalig größer eingeführt wurde Homeoffice während der Ölkrise, um Kraftstoff zu sparen. Heute wird dieser Ansatz erneut aufgegriffen, mit der Idee, CO2 zu sparen. Inwiefern das erreicht wird, worauf man achten muss und wie viel Einfluss Homeoffice insgesamt hat, werde ich im folgenden erläutern.




Gliederung


2.1 Verkehr

2.2 Energie



1 Grundlagen


Schaut man sich die Studien zum Thema Homeoffice und Treibhausgase an, wird hauptsächlich eine Reduktion als Ergebnis angegeben. Dabei werden vor allem der Verkehr und Energieverbrauch als Einflussfaktoren beschrieben. Darüber hinaus wird aber auch betont, dass indirekte Wirkungen und Rebound Effekte auftreten können, die in den Ergebnissen nicht erfasst wurden. Diese Einflussfaktoren schauen wir uns nun einmal genauer an:


2 Faktoren



2.1 Verkehr

Wenn von Klimaschutz im Kontext mit Homeoffice gesprochen wird, ist hauptsächlich der verringerte Verkehr angeführt. Durch das entfallen der Arbeitswege spart man sich die Emissionen, die durch das Pendeln verursacht werden würden. Das ist allgemein das größte Einsparpotential beim Arbeiten von Zuhause aus.

Grundsätzlich sehr einfach und verständlich, wird aber im Detail komplexer. Wie viel CO2 letztendlich gespart wird, hängt von der üblicherweise absolvierten Fahrt ab: Welche Strecke hat man zurück gelegt? Welches Verkehrsmittel wurde genutzt? Wenn man 30 Minuten mit einem großen Auto fährt, wird durch das Homeoffice mehr vermieden als wenn man nur 10 Minuten mit Fahrrad zur Arbeit fährt. Andere in den Studien genannte Folgen sind weniger Luftverschmutzung, weniger Abnutzung und Belastung der Infrastruktur, weniger Staus und effizienterer Verkehr. Außerdem hat Homeoffice bzw. Telekommunikation generell das Potential, Dienstreisen zu ersetzen, was besonders bei Inlandsflügen viele Emissionen vermeiden kann.

Weiterhin sind so genannte Rebound Effekte zu beachten. Unter dem Begriff sind Wirkungen zusammengefasst, welche die Netto-Bilanz an Emissionen indirekt beeinflussen.

Menschen im Homeoffice wohnen oft weiter von der Arbeitsstätte weg. Dadurch verringert sich zwar die Anzahl der Fahrten, aber die Distanz steigt. Dabei ist die Richtung der Kausalität aber unklar, also ob Menschen durch das Homeoffice eher weiter weg ziehen oder ob Menschen die weiter weg wohnen das Homeoffice Angebot häufiger nutzen. Die größere Distanz wird vermutlich auch zum Kauf mehrerer und größerer Autos führen. Hinzu kommt ein Anstieg an nicht arbeitsrelevanten Fahrten, zum Beispiel eine zusätzliche Fahrt zum Supermarkt, die sonst auf dem Arbeitsweg erledigt worden wäre. Auch werden eventuell zusätzliche Ausflüge durch die gewonnene Zeit getätigt.



2.2 Energie

Der zweite große Faktor ist der Energieverbrauch. Dieser ist sehr variabel, steigt zunächst aber grundsätzlich an. Da man nun den Tag Zuhause statt im Büro verbringt, wird Zuhause auch klimatisiert, beleuchtet, Geräte benutzt etc. Dieser zusätzlichen Verbrauch kann kompensiert werden, wenn dafür die ungenutzte Bürofläche entlastet wird.

Wie letztendlich die Netto-Bilanz ausfällt, hängt von vielen Bedingungen ab. Zunächst ist die Dämmung der Gebäude und die Effizienz der elektronischen Geräte maßgeblich. Wichtig ist auch zu wissen, ob elektronische Geräte extra angeschafft und produziert werden müssen oder nicht. Zusätzliche Kommunikationstechnologie wie mehr Router scheinen Anteilsmäßig wenig Einfluss auf den Energieverbrauch zu haben. Die geographische Lage und Jahreszeiten kommen als Variable hinzu, da sie den Aufwand zur Klimatisierung bestimmen. Auch das Nutzerverhalten und der Umgang mit elektronischen Geräten spielt eine Rolle. Dazu kommt auch der Umgang mit dem ungenutzten Büroplatz, also wird dieser weiterhin beleuchtet, klimatisiert usw. oder nicht. Schlussendlich muss man so den Energieverbrauch von Zuhause mit dem am Arbeitsplatz vergleichen bzw. verrechnen. Da für uns die CO2 Bilanz interessant ist, müssen wir auch die genutzten Strommixe und Energieträger beachten, da Energiebilanz und Treibhausgasbilanz unterschiedlich sein können.



2.3 Wohnsituation

Derzeit ist auch noch der Zusammenhang zwischen Homeoffice und Stadtflucht. Es wurde aber eine größere Umzugsbereitschaft bei Leuten mit Homeoffice festgestellt als bei Menschen ohne. Das kommt zusammen mit höheren Ansprüchen für die private Wohnung, wie ein zusätzliches Arbeitszimmer. Das würde die Wohnflächen und dadurch den Verbrauch von Privatwohnungen steigern, allerdings könnte Homeoffice auch zu weniger Bau neuer Büroflächen führen. Auch spielt ein mögliches verändertes Konsumverhalten im Bezug auf die Netto CO2 Bilanz eine Rolle.



3 Anwendungsempfehlungen


Da der Fall Homeoffice sehr variable ausfällt, wird keine generelle Handlungsempfehlung ausgesprochen. Ich habe deshalb einmal in einem Best-Case und einem Worst-Case Szenario zusammengefasst worauf es ankommt, um zu verdeutlichen, wann Homeoffice einen positiven Beitrag zum Klimaschutz hat.




3.1 Best-Case Szenario

Das Best-Case Szenario beschreibt Umstände, unter denen Homeoffice als Klimaschutzmaßnahme sinnvoll eingesetzt werden kann. Die angestellte Person hat in diesem Szenario einen überdurchschnittlich langen Arbeitsweg, der typischerweise mit einem Auto zurückgelegt wird. Die private Unterkunft verfügt über eine gute Wärmedämmung und ist mit energieeffizienten Geräten ausgestattet. Der Anteil an Erneuerbaren Energien im Privathaushalt ist zudem höher als im Strommix des Büros. Der nicht genutzte Büroplatz wird entweder einer geteilten Nutzung zugefügt oder bleibt nicht beleuchtet und klimatisiert. Die Person verfügt bereits über das nötige elektronische Equipment für das Arbeiten im Homeoffice und adaptiert kein emissionsintensiveres Verhalten, wie vermehrte nicht arbeitsrelevante Fahrten oder das Nutzen von Lieferdiensten. Zusätzlich wird die Kommunikationstechnologie genutzt, um Dienstreisen zu eliminieren. Ein Umzug ist nicht in Planung, da die aktuelle Wohnung den Anforderungen von der regelmäßigen Arbeit im Homeoffice entspricht.


3.2 Worst-Case Szenario

Das Worst-Case Szenario beschreibt Umstände, unter denen Homeoffice als Klimaschutzmaßnahme nicht bevorzugt eingesetzt werden sollte. Die angestellte Person fährt in diesem Szenario den kurzen Arbeitsweg mit dem Fahrrad, weswegen es keine CO2- Emissionsminderung durch wegbleibenden Pendelverkehr gibt. Zusätzlich ist die private Unterkunft energetisch ineffizienter als das Bürogebäude und verbraucht mehr Energie zum Klimatisieren und Betreiben von elektronischem Equipment, welches für das Homeoffice neu beschafft werden musste. Während der Sommer und Wintermonate steigt die Differenz des Energieverbrauchs aufgrund der zusätzlich benötigten Klimatisierung bzw. Wärme. Darüber hinaus wird die private Unterkunft mit Strom aus fossilen Quellen versorgt, während das Büro über einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien verfügt. Das Büro wird trotz Abwesenheit wie bisher betrieben und nicht geteilt. Die Person adaptiert zusätzlich ein emissionsintensiveres Verhalten, indem zum Beispiel die gesamte Wohnung klimatisiert wird und die Flexibilität für vermehrte Ausflüge mit dem Auto genutzt wird.



4 Limitationen


Die Literatur in dem Feld ist noch nicht umfassend genug, um genaue Vorhersagen treffen zu können, unter anderem weil die reale Wirkung so variabel sein kann. Die Quantifizierung der Umweltwirkungen wird daher erschwert. Auch ist die vorhandene Literatur nicht auf alle Anwendungsfälle übertragbar. Viele der betrachteten Studien kommen aus den USA, wo der Arbeitsweg typsicherweise mit dem PkW absolviert wird, was in der Berechnung zu einem positiveren Ergebnis führt. Diese Ergebnisse lassen sich aber nicht genau auf z.B. Europäische Großstädte übertragen, wo viel Verkehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geschieht. Hinzu kommt, dass alle Studien verschiedene Methodiken und Rahmen verwendet haben, um zu ihren Ergebnissen zu kommen. Es wurden also verschiedene Faktoren in die Berechnung aufgenommen, verschiedene Größen berechnet (CO2 Ausstoß, Energieverbrauch, Kraftstoffverbrauch) und verschiedene Herangehensweisen für z.B. die Berechnung genutzt. Weiterhin gilt zu beachten, in welchen Branchen Homeoffice Anwendung finden kann. Besonders mit IT verbundene Arbeitsplätze sind geeignet, handwerkliche weniger. Also kann Homeoffice nicht einfach Flächendeckend umgesetzt werden, sondern es bedarf einer individuellen Prüfung für jeden Fall.



5 Fazit


Nun die Frage der Fragen: wie viel würde Homeoffice bringen? Kann man damit signifikante Mengen an Treibhausgasen sparen? Im vergleich zu den Gesamtemissionen in Deutschland liegt die mögliche Einsparung von Treibhausgasen durch Homeoffice bei unter 1% liegen.

Um den negativen Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken, wird jede Emissionsminderung gerne gesehen. Um aber wirksamen Klimaschutz zu betreiben, sollte sich eher auf die großen Hebel konzentriert werden, also die Energiewende, Infrastruktur, Verkehr, Landwirtschaft, Industrie, usw. Homeoffice zeigt also ein gewisses Potential, aber nur sehr begrenzt, welches auch durch andere Faktoren wie Elektromobilität oder erneuerbare Energien schon ganz andere Ergebnisse haben kann. Homeoffice ist also als Klimaschutzmaßnahme eher nebensächlich zu betrachten. Auch spielen bei der Auswahl der Arbeitsform sehr viele persönliche Umstände in die Entscheidung mit ein, sodass der Faktor Umwelt mit seiner vergleichsweise geringen Wirkung eine eher untergeordnete Rolle bei der Wahl seiner Arbeitsweise spielt.

 
 
 

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